#12 Nur weg vom Homeoffice

Flexibilisierung der Arbeitswelt: Zu viel Individualität ist nicht gut.

Was machen, wenn die Arbeitsbedingungen nicht mehr stimmen? Diese gar zu Unzufriedenheit führen? „Verändern“, sagt Christopher Schmidhofer. Was er in Reutlingen aufgebaut hat, zeigt: Individualität ist gut, Gemeinschaft ist besser.

Christopher, im Skype-Call, aus seinem neuen Coworking-Space in Reutlingen.

Fragt man Christopher was er beruflich macht, hört man zunächst, er sei Betreiber eines Coworking-Spaces. Denn das sei das, was die Leute am meisten interessiere. Dass er selbstständiger Programmierer und Inhaber einer Vertriebsplattform ist, verrät er erst später. Was sofort klar ist: Christopher ist ein Macher.

Homeoffice – nicht immer gut

„Mir ist nach drei Monaten im Homeoffice die Decke auf den Kopf gefallen!“, erinnert sich der Geschäftsmann. Vor knapp sieben Jahren war er aus familiären Gründen gezwungen den Wohnort zu wechseln. „Erst dachte ich – kein Problem, programmieren kann ich von überall her.“ Doch schnell merkte Christopher, dass auch er als IT-ler soziale Kontakte benötigt.

Viele Angestellte träumen vom Homeoffice. Lästige Arbeitswege fallen weg, unangenehme Kollegen und Chefs stören den Arbeitsfluss nicht. Arbeitet man aber Tag für Tag von zuhause, so zeigt sich so manch ein Nachteil. Für viele ist es schwer sich selbst zu strukturieren, motivieren und disziplinieren. „Ich habe mich ablenken lassen.“, gibt Christopher offen zu. Ob die Hausarbeit, die Sofaecke oder das private Telefon – vieles kann von der Arbeit abhalten. „Gleichzeitig konnte ich nicht abschalten und habe mich noch bis tief in die Nacht mit beruflichen Themen beschäftigt.“

Arbeitet er noch – oder chilled er schon?

Aktiv werden

Für Christopher war klar: er braucht einen anderen Arbeitsort. Was aber tun? Aus seiner Studienzeit in Paderborn kannte er das Konzept von weXelwirken. Dort hatte er selbst mit anderen Selbstständigen ein Büro geteilt. „Im Jahr 2008 hat noch niemand von Coworking gesprochen – wir haben es einfach gemacht, weil wir wussten, dass es uns Freude bereitet zusammen zu arbeiten.“
Christopher gründete schließlich 2011 seine Dependance in Süddeutschland. „Den Namen der Paderborner Kollegen wollte ich dabei unbedingt übernehmen. Er beschreibt, wie sehr man voneinander profitieren kann.“, erklärt der Familienvater. Schnell fanden sich Gleichgesinnte, die Interesse hatten in Kusterdingen unter einem Dach zu arbeiten – auch weil bei vielen lästige Pendelzeiten nach Stuttgart wegfielen.

Ausprobieren

Und heute? Auch wenn Christopher im Juli 2017 den zweiten Coworking-Space in Reutlingen eröffnet hat, für ihn ist es kein Buisnessmodell. Er organisiert die Bürogemeinschaften aus Überzeugung. „Es ist genau die Art und Weise wie ich arbeiten möchte.“ Anderen Selbstständigen kann er einen Probetag im Coworking-Space nur empfehlen. „Man sollte es einfach mal ausprobieren. Nach wenigen Stunden merkt man, ob diese Art zu arbeiten etwas für einen ist.“
Und Christophers Tipp für andere Bürogemeinschaften? „Klare Küchenregeln – wie in der Studenten-WG, ist die Sauberkeit der Ausgangspunkt für viele Diskussionen, aber bei uns packt mittlerweile jeder mit an.“