#17 Feel-Good-Management oder die neue Art der Mitarbeitermotivation

Auszüge aus einem Gespräch mit Iris Vonk von Shopgate

Speed-Dating für neue Mitarbeiter, Farewell-Gespräche oder Realtime-Feedback-Tools – nach wenigen Minuten mit Iris wird klar: sie stellt bei Shopgate einiges auf die Beine und arbeitet damit genauso schnell wie sie spricht. Strategisches Feel-Good-Management kann für Mitarbeiter, Führungskräfte und Geschäftsführung viele Vorteile haben.

Eine dynamische, junge Frau sitzt vor uns, die uns von einem neuen Berufsbild berichtet. „Das Feel-Good-Management bei Shopgate basiert auf 4 Säulen“ erzählt uns Iris. Neben Employee Management umfasst es die Bereiche Interne Kommunikation, Kulturentwicklung und Office-Management. So hat die 30-jährige einen vielfältigen Tätigkeitsbereich „Es ist nicht selten, dass ich morgens mit unserer Geschäftsführung über die Werte unseres Unternehmens diskutiere, mittags einen Mitarbeiter coache und im Anschluss neue Schreibtische aufbaue“.

Shopgate definiert 4 Ebenen des Feel-Good-Managements: Employee Management, Interne Kommunikation, Kulturentwicklung/Eventmanagement, Office-Management

Marketing fürs Wohl-Fühl-Management

Die gelernte Kunden- und Strategieberaterin bringt nach eigenen Angaben für den abwechslungsreichen Job die wichtige Voraussetzung mit: Offenheit gegenüber Themen und Menschen. Iris liebt und lebt ihren Job. Das merkt man ihr schnell an. In der Werbung, ihrem früheren Tätigkeitsfeld, fehlte ihr oft der menschliche Aspekt. Heute vermittelt sie zwischen Mitarbeitern und Führungskräften nicht nur nach ökonomischen, sondern auch sozialen Gesichtspunkten. Ihre Berufserfahrungen nutzt sie gezielt. „Ich spreche immer zielgruppenorientiert, nutze unterschiedliche Argumente. Viele Themen muss ich erst intensiv verkaufen, quasi umwerben, bevor ich sie umsetzen kann. Zudem versuche ich die Themen auf eine strategische Ebene zu heben. Meine Kenntnisse aus dem Agenturalltag und als Strategin kann ich hierfür optimal nutzen.“

Variationen des Feel-Good-Managements

60 Feel-Good-Manager soll es in Deutschland geben. Ein neues Tätigkeitsfeld, welches irgendwo zwischen den klassischen betrieblichen Themen Personalarbeit, Organisationsentwicklung und Unternehmenskommunikation liegt. Ein einheitliches Bild gibt es für diesen noch jungen Beruf jedoch nicht. In Berichten liest man auch über „Wohlfühl-Omis“, die IT-ler mit frischer Suppe bekochen und bunten Smoothies versorgen.

Iris Rolle im Unternehmen beinhaltet weit mehr. Schon der eigene Bewerbungsprozess war anspruchsvoll: In vier Runden hat sie sich bei Shopgate gegen andere KandidatInnen durchgesetzt. Im letzten Termin präsentierte sie ihr eigenes Konzept eines Feel-Good-Managements. Alle Führungskräfte des heute 140 Mitarbeiter-starken Unternehmens mussten einem Konzept einstimmig zu stimmen. Sie entschieden sich letztendlich für Iris. „Die Akzeptanz und damit der Startschuss für eine gute Zusammenarbeit mit den Führungskräften war damit gegeben“, weiß Iris.

Richtige Maßnahmen finden nach Trial & Error-Prinzip

Ein Jahr ist Iris nun bei Shopgate. Neben unzähligen Events für neue und alte Mitarbeiter, entwickelte sie in dieser Zeit ganz innovative Formate. Beispielsweise erhalten Shopgate-Neulinge im Speed-Dating die Möglichkeit sich schnell im Unternehmen zu vernetzten. Über Realtime-Feedback-Tools geben Mitarbeiter wöchentlich Rückmeldung zu ihrem derzeitigen Wohlfühlwert.

Das Feedback der Mitarbeiter ist bei der Maßnahmenauswahl sowieso Dreh- und Angelpunkt. Findet eine Maßnahme bei den Mitarbeitern keinen Anklang, hält Shopgate nicht daran fest. „Da sind wir so ehrlich mit uns selbst und nehmen von weniger erfolgreichen Ideen auch schnell wieder Abstand.“ Iris gab bestehenden Prozessen aber auch einen neuen Anstrich. „Verlässt uns ein Mitarbeiter, führe ich nun Farewell-Talks. Führer nannten wir diese Exit-Gespräche. Die Bezeichnung für ein abschließendes Gespräch, in dem wir uns als Unternehmen ein ehrliches Feedback einholen und ein angenehmen Abschied gestalten wollen, war aber nicht mehr passend.“ Shopgate will sich von Kollegen wertschätzend verabschieden und im besten Fall noch etwas als Unternehmen lernen.

Funktioniert Feel-Good-Management?

Umfasst Feel-Good-Management nicht nur Einzelmaßnahmen, sondern ist ein strategischer Oberbau vorhanden, hat es gute Chancen Mitarbeiter zu motivieren und auf die Ziele des Unternehmens einzuzahlen. Die Zusammenarbeit mit den Führungskräften ist dabei entscheidend. Auch die Akzeptanz der Geschäftsführung ist Voraussetzung: Ein Feel-Good-Manager braucht nicht nur entsprechenden Handlungsspielräume, sondern die Erkenntnisse müssen in Unternehmensentscheidungen einfließen – sonst wirkt es schnell oberflächlich.

Iris Antwort auf Claires Frage aus Edinburgh – Interview #16: Was sind die wichtigsten Kriterien für einen Mitarbeiter bei der Unternehmenswahl?

Ich denke, dass jeder Mensch auf andere Kriterien Wert legt und einen anderen Fokus bei der Unternehmenswahl hat. Jeder hat verschiedene Motivatoren und Treiber, ob monetärer oder emotionaler Natur. Faktoren wie Flexibilität, Gestaltungsfreiraum, Fairness und Menschlichkeit werden immer wichtiger. Je mehr der Mitarbeiter als Mensch angesehen wird und nicht als reine Arbeitskraft, desto höher ist seine Zufriedenheit. Die Arbeit sollte es ihn ermöglich sich zu entfalten. Erst dann kann er volle Leistung bringen.

Iris Frage für unser nächstes Interview:

Bis wann ist Home-Office gesund? Wo stört es die Kultur des Unternehmens?

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